Zene Artzney

Schlüssel, Zangen, Hebel

Unter den alten Instrumenten zur Zahnextraktion können folgende Gruppen unterschieden werden: Pelikane, Zangen, Schrauben, Hebel und Zahnschlüssel.
Bis zum 16. und 17. Jahrhundert war die Zahnheilkunde noch kein eigenes Fach, sie war vielmehr ein Teil der allgemeinen Chirurgie. Spezielle zahnärztliche Literatur war kaum vorhanden. Dental-Instrumente wurden unter anderen in den chirurgischen Handbüchern beschrieben und abgebildet, so bei Ryff, Pare, Martinez, Scultetus, Garengeot, Heister. Der erste, der das gesamte zahnheilkundliche Wissen seiner Zeit zusammenfaßte und publizierte, war Pierre Fauchard (1678-1761). In seinem Werk„Le Chirurgien Dentiste" von 1728 wird kein Schlüssel erwähnt, so daß anzunehmen ist, daß er dieses Instrument noch nicht kannte. Auch die 2. Auflage 1746 enthält das Extraktionswerkzeug nicht; möglicherweise fand Fauchard aber den Schlüssel nicht wichtig genug, um ihn aufzunehmen. Alexander Monroe (1697 -1767) erwähnt in einem Artikel (1742) erstmals den Zahnschlüssel und bildet ihn ab: „A description of Surgical Instruments" („Medical essays and Observations). Danach entwickelten sich viele verschiedene Namen für den Zahnschlüssel: „Clef de Garengeot" (obwohl Garengeot weder Schlüssel erwähnt, noch abbildet), Fothergill-Schlüssel, englischer Schlüssel, französischer und deutscher Schlüssel. Die ersten Exemplare waren aus Eisen und hatten einen geraden Schaft mit einer Kralle, die mit einer Schraube an einem kleinen Vorsprung befestigt war. Später wurden die Griffe aus Elfenbein, Hörn, Perlmutt und verschiedenen Holzarten gefertigt. Die ersten Griffe waren kreisförmig und sehr ähnlich denen von Türschlüsseln jener Zeit, woher möglicherweise auch der Begriff „Schlüssel" kam.
Eine andere Erklärung gibt Nessel (1840), wonach der Teil, der den Zahn umgreift, wie ein Schlüsselbart wirkt, der in ein Schloß paßt. Bücking (1782) dachte, daß die schlüsselartige Drehbewegung bei der Anwendung für die Namensgebung entscheidend gewesen sei.
Für über 150 Jahre war der Zahnschlüssel das Standardinstrument jedes Praktikers. Während dieser Zeit wurde er verbessert und vielfältig weiter entwickelt. Wie schon erwähnt, hatten die ersten Schlüssel gerade Schäfte („Schlüssel nach alter Bauweise"). Die Einführung der einfachen und später der doppelten Krümmung waren die wichtigsten Verbesserungen. Um 1765 gestaltete Julius Leber die geraden Schäfte um und führte einen Knick ein. Diese Änderung verminderte den Druck auf den benachbarten Zahn. Die nächste bedeutende Verbesserung war die Einführung der doppelten Krümmung zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Benjamin Bell bildet 1796 einen Schlüssel ab, dessen Kralle an einem Drehring befestigt ist und in dem Widerlager rotieren kann. Bewegliche, zusätzliche, konkave Widerlager, Modifikationen der Kralle, doppel- und dreifache Krallen-Typen, zusammenklappbare Zahnschlüssel und viele weitere Veränderungen wurden von den Praktikern in verschiedenen Ländern, manchmal gleichzeitig, entwickelt.
Sogar die Kralle selbst hatte viele verschiedene Formen und Größen, um zu dem Zahn, der gezogen werden sollte, zu passen. Zunächst war die Kralle mit einem Metallstift befestigt, später mit einer Schraube. Die Kralle konnte auch mit einem Schraubenzieher befestigt werden, der sich oftmals im Griff des Instruments befand. Um den Druck auf den Gaumen und den Knochen abzumildern, wurde das Widerlager mit Leder, Leinenstoff, Zeitungspapier, Lappen, Gummi oder einem Handtuch umwickelt. Callman Jacob Linderer (1771 -1840) betonte aber, daß man jedes mal alles sorgfältig zu reinigen habe. Kein zahnärztliches Instrument hat so viele Modifikationen und Variationen erlebt wie der Zahnschlüssel. Aber, obwohl nach Maury der „Schlüssel von Garengeot das geniale Instrument zur Zahnextraktion ist", waren die Eingriffe doch oft unzureichend. Linderer und viele andere Praktiker des 19. Jahrhunderts gaben den Rat, immer eine gekrümmte Zange bereit zu halten, um die Zahnschlüsselextraktion zu vollenden. Jeder Zahnbehandler bezeichnete seinen Schlüssel als Universalschlüssel, aber die Entwicklung ging trotzdem weiter. Nach 1830 führte man „Übergangswerkzeuge" ein, die dem allgemeinen Muster des Zahnschlüssels folgten, aber wie Zangen benutzt wurden.
Sir John Tomes (1815-1895) schuf den Zangentypus, der bis heute Verwendung findet. Unzufrieden mit den Schlüsseln und Zangen seiner Zeit, gründete Tomes eine Arbeitsgemeinschaft mit dem aus Toulouse stammenden Instrumentenmacher Jean-Marie Evrard (1808-1882), einem Schüler von Charriere. Seine Werkstatt lag in der Nähe des Middlessex-Hospital, wo Tomes als Dentist arbeitete. Evrard stellte speziell zur Anatomie der verschiedenen Zähne gestaltete Zangen her. Diese Neuerung machte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts den Zahnschlüssel überflüssig. Dennoch wurde er bis in das 20. Jahrhundert in den Dentalkatalogen der Firmen geführt und mag auch heute noch in manchen entlegenen Regionen gebräuchlich sein.

Schlüssel

Thumbs/tn_Bild78.jpg
Thumbs/tn_Bild79.jpg
Thumbs/tn_Bild80.jpg
Thumbs/tn_Bild81.jpg
Thumbs/tn_Bild82.jpg
Thumbs/tn_Bild83.jpg
Thumbs/tn_Bild84.jpg
Thumbs/tn_Bild85.jpg
Thumbs/tn_Bild87.jpg
Thumbs/tn_Bild88.jpg
Thumbs/tn_Bild89.jpg
Thumbs/tn_ppt79.jpg

Zangen

Thumbs/tn_Bild93.jpg
Thumbs/tn_Bild91.jpg
Thumbs/tn_Bild92.jpg
Thumbs/tn_Bild94.jpg

Hebel + Meißel

Thumbs/tn_ppt78.jpg
Thumbs/tn_ppt82.jpg
Thumbs/tn_ppt80.jpg
Thumbs/tn_ppt84.jpg

zurück 1 | 2

Zene Artzney